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Armut ist kein Kinderspiel - in Niederösterreich sind 45.000 Kinder von Armut betroffen 29.08.2018

Für einen guten Start- denn Armut ist kein Kinderspiel! Unter dem Motto macht die Katholischen Jungschar der Diözese St. Pölten gemeinsam mit dem NÖ Armutsnetzwerk, der Bundesjugendvertretung und Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig im Rahmen einer Pressekonferenz auf das Thema Kinderarmut aufmerksam.

St. Pölten - Das Thema Kinderarmut und die teils erheblichen Ausgaben für den Schulbesuch standen im Zentrum einer Pressekonferenz, die heute, Mittwoch, im Landhaus in St. Pölten abgehalten wurde. Dabei informierten NÖ Soziallandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig sowie Vertreterinnen und Vertreter des NÖ Armutsnetzwerks, der Bundesjugendvertretung und der Katholischen Jungschar über die aktuellen Problemlagen von Kindern in Hauhalten, die als arm oder armutsgefährdet gelten.

 

Zu Beginn wies NÖ Soziallandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig darauf hin, dass etwa 45.000 Kinder in Niederösterreich von Armut betroffen seien. Es sei einfach nur „Glück“, wenn ein Kind in eine Familie hineingeboren werde, die nicht von Armut betroffen sei. Es solle aber nicht länger nur „Glück“ sein. Jedes Kind habe das Recht auf gleiche Teilhabe, auf ein Leben ohne Armut, betonte Königsberger-Ludwig.

 

Die Sorgen der Eltern, wie die monatliche Miete zu zahlen ist, ob bestimmte Lebensmittel wirklich notwendig sind und ob sie ihrem Kind doch Geld für einen Kinobesuch geben können, damit sie gemeinsam mit ihren Freunden den neuesten Blockbuster ansehen dürfen, spüren und belasten besonders Kinder. Auch der Schulstart bringt oft beklemmende Erlebnisse für Kinder, wenn Schulmaterialien, Veranstaltungsbeiträge, Ausflugskosten und Selbstbehalte verspätet oder überhaupt nicht gezahlt werden können. „Diese Sorgen müssen durch verbesserte Rahmenbedingungen rasch genommen werden, denn Kinderarmut muss entschieden entgegengetreten werden“, so Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig.

 

„Zwar steht allen Kindern das Recht auf Bildung zu, dennoch beginnt bereits im Kindergartenalter eine gewisse Selektion. Beispielsweise wenn ein Krippenplatz oder ein Kindergartenplatz für Eltern nicht finanzierbar ist. Deshalb braucht es in Niederösterreich umgehend flächendeckende kostenlose Kinderbetreuungseinrichtungen“, betont Königsberger-Ludwig. Außerdem tritt die Landesrätin für die rasche Umsetzung der auf Bundesebene von allen Fraktionen vertretenen Unterhaltsgarantie ein. „Denn es kann nicht sein, dass Kinder von Alleinerziehenden monatelang finanziell in der Luft hängen und damit in die Armutsfalle schlittern, weil oftmals der Vater den Unterhalt nicht zahlt.“

„Kinder verdienen einen guten Start: in das neue Schuljahr, in das Leben. Dafür machen wir uns als NÖ Armutsnetzwerk gemeinsam mit anderen stark“, so Barbara Bühler, Koordinatorin und Obfrau des NÖ Armutsnetzwerks. „Die Verantwortung dafür, ihnen einen guten Start zu ermöglichen, tragen wir alle und trägt die Politik im Besonderen. Damit Kinder gut ins Leben starten können, brauchen sie ein Zuhause, das ihnen den Raum dafür gibt, sich auf die Herausforderungen der Schule und des Erwachsenwerdens konzentrieren zu können.

Stattdessen leben viele Kinder in NÖ in Wohnungen, die im Sommer zu heiß und im Winter nicht ausreichend geheizt sind, und in die sie sich nicht trauen, Freunde einzuladen, weil nicht ausreichend Platz zum Spielen ist: Denn über 1/3 der Menschen, die in NÖ auf Leistungen der Bedarfsorientierten Mindestsicherung angewiesen sind, sind Kinder“, hält Barbara Bühler fest.

 

„Der Anteil der Mindestsicherung, der für das Wohnen vorgesehen ist, beträgt für eine Familie mit einem Kind 373,26 Euro. Das geht sich nicht aus, vor allem nicht, wenn man die stark steigenden Mietpreise bedenkt. Schon als Kind erleben müssen, dass das Geld nicht reicht, beschämt. Doch beschämen sollte es uns alle und sollte es vor allem die Politik, denn sie schafft die Strukturen, die Chancen nehmen, aber auch geben können. Eine Erhöhung des Wohnanteils der Mindestsicherung, ein Überdenken der Förderstrukturen sowie Investitionen in kommunalen, leistbaren Wohnraum tragen dazu bei, Wohnen in Niederösterreich für alle leistbar zu machen. Damit alle Kinder in NÖ einen guten Start haben, in die Schule und ins Leben!“, so Bühler.

 

Auch die Bundesjugendvertretung (BJV) befasste sich im letzten halben Jahr intensiv mit dem Thema Kinderarmut. Die BJV wollte von Kindern selbst wissen, was sie für ein gutes Leben brauchen und führte dazu im Rahmen ihrer Kampagne “Armut ist kein Kinderspiel” gemeinsam mit der Universität Wien eine explorative Studie durch. „Die Ergebnisse unserer Studie zeigen deutlich, dass Kinder wissen, dass es neben immateriellen Ressourcen wie Familie, FreundInnen und Freizeit auch materielle Güter und Leistungen, die Geld erfordern, für ihr Wohlbefinden braucht“, erklärt BJV-Vorsitzende Caroline Pavitsits. „Monetäre Mittel sind unabdingbar, will man Kindern einen angemessenen Lebensstandard ermöglichen. Nun ist es an der Zeit, dass auch die Politik diese Notwendigkeit erkennt“, betont die Vorsitzende. Die BJV fordert daher eine neue Kinderkostenstudie, um die Regelbedarfssätze für den Unterhalt von Kindern an die aktuellen Lebenssituationen von Familien anzupassen.

 

“In der Mitte stehen die Kinder” und deshalb ist es für die Katholische Jungschar unvorstellbar, dass in Österreich 324.000 Kinder armuts- und ausgrenzungsgefährdet sind. Österreich, eines der 20 reichsten Länder der Welt, schafft es nicht, für Familien und insbesondere alleinerziehende Mütter und Väter, Voraussetzungen zu schaffen, unter denen Beruf und Kindererziehung im Einklang sind. “Eine der größten Herausforderungen für Alleinerziehende ist einen Betreuungsplatz für ihre Kinder zu finden, der mit einem existenzsichernden Vollzeitjob kompatibel ist”, stellt Nikolaus Hofer, Vorsitzender der Katholischen Jungschar der Diözese St. Pölten fest. Nur eine von fünf Kinderbetreuungseinrichtungen in Niederösterreich ist länger als 10 Stunden geöffnet. Deshalb fordert die Katholische Jungschar finanziell leistbare, qualifizierte Kinderbetreuungsplätze mit Öffnungszeiten, die sich mit dem Beruf vereinbaren lassen.

 

Foto: Anton Heinzl


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