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Rückschau - Gästebesuch aus Bolivien
12.05.2026 15:51h
Im Rahmen des Welthaus-Programms besuchten uns Gäste aus Bolivien um sich in Schulen, Pfarren, Initiativen und verschiedenen Einrichtungen über globale Zusammenhänge, Klimagerechtigkeit und ein gutes Leben im Einklang mit Menschen und Natur auszutauschen. Die Organisationen in denen sie wirken, werden ebenfalls von der Dreikönigsaktion der Kath. Jungschar unterstützt.
Welthaus-Programm der Diözese St. Pölten: Begegnungen, die bewegen
Mit eindrucksvollen Vorträgen, lebendigen Workshops und persönlichen Begegnungen begeisterten Gäste aus Bolivien im Rahmen des Welthaus-Programms von 2.-12. Mai 2026 zahlreiche Menschen in der Diözese St. Pölten. In Schulen, Pfarren, Initiativen und verschiedenen Einrichtungen wurde gemeinsam über globale Zusammenhänge, Klimagerechtigkeit und ein gutes Leben im Einklang mit Menschen und Natur diskutiert.
Die Veranstaltungen mit Águeda Colque von ISALP (Instituto de Investigación y Apoyo al Desarrollo Local) und Lenny Espinoza von CERDET (Centro de Estudios Regionales para el Desarrollo de Tarija) waren ausgesprochen gut besucht und stießen auf großes Interesse.
Die Organisationen, die durch Spenden an die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar unterstützt werden, fördern lokale Entwicklungsprozesse von indigenen Gemeinschaften mit Schwerpunkt auf nachhaltiger Landwirtschaft und Ernährungssicherheit. Sie stärken insbesondere Frauen und Jugendliche in Fragen von Menschenrechten, Klimawandel und Sicherung ihrer Lebensgrundlagen.
Austausch im GEA Hotel zur Sonne in Schrems (4.5)/ Credit: Welthaus
Im Mittelpunkt stand das Konzept des „Buen Vivir“ – des „guten Lebens“. Dieses Verständnis stammt aus den indigenen Kulturen Südamerikas und beschreibt ein Leben in Fülle, im Gleichgewicht und im respektvollen Umgang mit der Natur. Dabei wurde deutlich: Buen Vivir bedeutet nicht materiellen Überfluss, sondern ein erfülltes Leben mit allem, was Menschen wirklich brauchen – ohne anderen oder der Umwelt zu schaden.
Die Gäste aus Bolivien berichteten aber auch offen über die schwierige Realität ihres Landes. Besonders eindrucksvoll waren die Schilderungen über den Río Pilcomayo, der einst kristallklar war und heute durch den Bergbau massiv verschmutzt ist. Schwermetalle wie Quecksilber und Blei gefährden dort Menschen, Tiere und ganze Ökosysteme. Für den bolivianischen Chaco, den zweitgrößten Wald Südamerikas, ist dieser Fluss lebenswichtig. Ohne ihn würde die Region zur Wüste werden.
Exkursion rund um den Kamp - Initiative Lebendiger Kamp (5.5)/ Credit: Welthaus
Große Aufmerksamkeit erhielt auch die Rolle der indigenen Gemeinschaften, die trotz Klimakrise, extremer Hitze und knapper Ressourcen beeindruckende Wege gefunden haben, um ihre Lebensgrundlagen zu sichern. Aufforstungsprojekte, Recycling-Initiativen und nachhaltige Landwirtschaft zeigen, wie lokales Wissen und gemeinschaftliches Handeln Zukunft schaffen können. Besonders die Frauen tragen dabei eine zentrale Verantwortung: Sie bewahren Wissen, stärken Gemeinschaften und sichern das Überleben vieler Familien.
Ein weiterer Schwerpunkt der Begegnungen war die globale Verantwortung unseres Konsums. Ob Smartphones, Kleidung oder Verpackungen – jede Kaufentscheidung hat Auswirkungen auf Menschen und Umwelt weltweit. Die Gäste machten deutlich, dass bewusster Konsum und solidarisches Handeln konkrete Veränderungen bewirken können.
Runder Tisch im Naturpark Hochmoor-UnterWasserReich Schrems / Credit: Welthaus
Besonders bewegend war ein Satz, der viele Zuhörer*innen nachhaltig beeindruckte:
„Que seamos protagonistas del cambio y no cómplices de la destrucción.“
(„Lasst uns Protagonist*innen des Wandels sein und nicht Kompliz*innen der Zerstörung.“)
Die Begegnungen im Rahmen des Welthaus-Programms hinterließen bei vielen Teilnehmer*innen einen bleibenden Eindruck. Sie machten deutlich, wie wichtig internationale Solidarität, gegenseitiges Lernen und gemeinsames Handeln für eine gerechtere und nachhaltigere Zukunft sind.
Workshop in der BAfEP Amstetten (7.5) / Credit: Welthaus
JETZT ANMELDEN:
Wer solche Begegnungen in der Pfarre oder Schule initiieren möchte, kann sich per Mail bei m.spritzendorfer@dsp.at melden.
Die nächsten Gäste kommen im November 2026 aus Kolumbien und im April 2027 aus Indien!
Austausch und Diskussion im BildungZentrum St. Benedikt in Seitenstetten (7.5)/ Credit: Welthaus
Hier noch einige Stimmen nach den Begegnungen:
Sabine Nagl, Klimaaktivistin, Parents for Future Waldviertel:
„Für mich als Klimagerechtigkeitsaktivistin war das Zusammentreffen und der Austausch mit den indigenen Frauen aus Bolivien total bereichernd. Vor allem ihre Haltung der Verantwortung für "das Land" - das heißt Natur, Boden, Wasser, alle Lebewesen - und die Art Gemeinschaft zu denken hat mich sehr berührt. Der Wunsch, der Wille zur Erhaltung unserer Lebensgrundlagen und auch der Respekt und die Dankbarkeit für alles was uns geschenkt ist habe ich als sehr vereinend wahrgenommen. Ein unverzichtbarer Austausch, wie wir gemeinsam an Lösungen der globalen und regionalen Krisen arbeiten und uns gegenseitig unterstützen können. Danke Welthaus für diese Möglichkeit.“
Stefan Glaser, Initiative Lebendiger Kamp:
"Mit dem Besuch der bolivianischen Aktivistinnen hat uns das Welthaus eine Gelegenheit gegeben, Erfahrungen im Einsatz für die Natur auszutauschen. Von bolivianischen Indigenen bis ins Waldviertel und auch bei unterschiedlichen heimischen Initiativen ist die Kraftquelle dieselbe: die Verbindung zur Mutter Erde.
Bei der Exkursion konnte ich von dem langem Kampf im letzten Jahrzehnt für den Erhalt der Wildnis Reste beim Kamp-Kraftwerk Rosenburg berichten und von dem guten Kompromiss zwischen Stromerzeugung und Naturschutz, der letztlich heuer vereinbart wurde.
Der internationale Besuch im mittleren Kamptals hat gezeigt, wie sehr dieser Flussabschnitt würdig für einen Nationalpark ist."
Bernadette Mayr, Referentin Dreikönigsaktion / Sternsingen der Kath. Jungschar St.Pölten:
"Der Dialog hat einmal mehr gezeigt, wie wertvoll internationale Perspektiven für nachhaltige Entwicklung sind. Gemeinsame Erfahrungen und unterschiedliche Blickwinkel eröffnen neue Lösungsansätze und stärken die Zusammenarbeit für unsere Schöpfung über Kontinente hinweg."
Christa Sarcletti, Mitmachregion Waldviertel:
"Diese beiden wundervollen Frauen haben mein Herz berührt, eine Verbundenheit, die weiter bestehen bleibt. Ich danke Welthaus für dieVermittlung und sende herzliche Grüße! Ja auch wir sollten unsere Venus- Pachamama viel mehr Dank und Ehrerbietung entgegenbringen, daran haben mich Lenny und Agueda erinnert. "
Workshop im BRG/BORG St. Pölten (8.5)/ Credit: Welthaus